Was ist ein Spiritual, was ein Gospelsong?
Spirituals sind die religiösen Gesänge der in den Südstaaten der USA lebenden afrikanischen Sklaven. Sie sind in Aufbau und Melodie beeinflusst von den Spiritual Songs, die in den Gottesdiensten ihrer weißen Herren gesungen wurden. Typisch für die ursprünglich einstimmigen Spirituals sind der Wechsel von Vorsänger(in) und Chor/Gemeinde (Call-Response), die aus der afrikanischen Heimat stammende Rhythmik (Offbeat) und die die Harmonik prägenden sogenannten Blue Notes. Melodien werden spontan verziert und variiert, das Singen wird von Fußstampfen, Händeklatschen und Zurufen begleitet.
Die Texte der meisten Spirituals sind vom Alten Testament der Bibel beeinflusst. Als die Sklavinnen und Sklaven (meist gegen den Widerstand der Weißen) lesen lernten, lasen sie die biblischen Befreiungsgeschichten als Hoffnungstexte: Wie Moses im Auftrag Gottes das Volk Israel aus der ägyptischen Sklaverei führte ("Go down Moses, tell ol' Pharaoh: Let my people go!"), so werden auch wir frei sein ("Free at last" - endlich frei!).
Gospelsongs entstanden und entstehen ungefähr seit den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts. Sie sind musikalisch vom Jazz und von der Popmusik geprägt; ihre Texte spiegeln meist eine mehr auf den einzelnen Menschen bezogene Jesus-Frömmigkeit; zur Zeit sind Anbetungslieder besonders "in" ("Praise the Lord!").
Einer der ersten bedeutenden Gospelkomponisten, Textdichter und Chorleiter war Thomas A. Dorsey, dessen "Precious Lord, take my hand" zu den allerschönsten Gospelsongs gehört.